Stefan Schäfer liest "Weihnachten in Frankreich"

Ein Weihnachtsmuffel, der eine junge Frau von der Straße zum Essen in seine Wohnung einlädt, eine "Weihnachtsfrau" aus der Zukunft, ein einsames Paar in Paris, ein Priester, der aus Fressgier die Mitternachtsmessen unzulässig verkürzt: Diese etwas ungewöhnlichen Heiligabende wurden am Donnerstag Abend in der Buchhandlung Markus lebendig, als Stephan Schäfer Texte zu "Weihnachten in Frankreich" las.

Der Künstler aus Köln war zum zweiten Mal auf Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Gütersloh im Saal unter dem Dach der Buchhandlung. Texte von Alphonse Daudet, Guy de Maupassant, Ernest Hemmingway und Roland Topor zeigten, dass schon damals nicht alle Heiligabende so stimmungsvoll und harmonisch abgelaufen sind, wie es das Klischee verlangt.

Michel Mathevet aus Rheda-Wiedenbrück umrahmte die Texte mit Chansons und Gitarrenbegleitung. Die Lieder passten zu Weihnachten als dem Fest des Friedens und der Familie und waren ebenfalls etwas abseits ausgetretener Pfade. Etwa 50 Personen ließen sich in der ausverkauften Lesung von den Stimmungen der Geschichten einfangen.

Sie erlebten, dass die zum romantischen Stelldichein Geladene statt dessen direkt nach dem Essen im Bett ihres Gastgebers ein Kind zur Welt bringt, und dass die Weihnachtsfrau in der Gegenwart stecken bleibt, weil einem bösartigen Jungen die Geschenke nicht gefallen und er ihre Zeitmaschine zerstört. Sie sehen das Heimweh des Paares im verlassenen Paris und amüsieren sich über den Priester, der in seiner Gier die Gemeinde verstört und sich eine Buße einbrockt, die Jahrhunderte dauern wird.
Trotzdem, es waren Weihnachtsgeschichten. Es schwebte immer ein Hauch von Heiligabend in der Luft. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit kräftigem Applaus für einen außergewöhnlichen Abend.

Stephan Schäfer studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover sowie an der Bremer Hochschule für Künste. 2001 gründete er das Kölner Künstler-Sekretariat. Seither wurden von ihm über 500 Veranstaltungen moderiert. Seit 2006 ergänzt Stephan Schäfer diese Tätigkeit durch Lesungen. Neben Themenabenden und Autorenportraits (u.a. Robert Walser, Wolfgang Hildesheimer, Elias Canetti, W. G. Sebald) gilt hier seine besondere Leidenschaft historischen und zeitgenössischen Reisebeschreibungen. Mit Schwerpunkten auf Ländern, Städten und Regionen gastiert Stephan Schäfer bundesweit für Reiseveranstalter und Auslandsgesellschaften, in Bibliotheken, Buchhandlungen und Museen. Thematische Klammern wie "Hotelgeschichten" oder "Eisenbahnfahrten literarisch" führen ihn darüber hinaus regelmäßig an für Lesungen eher untypische Orte wie Bahnhöfe und Hotels.
Internet: www.lesen-ist-reisen.de